Die Entstehung des Vereins 1894 - 1907


1894

Anfang März des Jahres 1894 faßten einige für den Rudersport begeisterte junge Leute, die aus dem Ruderklub "Vorwärts" kamen, den Beschluß, einen Ruderverein zu gründen. Sie trafen sich am

12. März 1894

in der Heilige-Geist-Straße in den Geschäftsräumen ihres Freundes Rothe und gründeten den Verein, den sie

Berliner Ruderclub "Welle"

nannten.

Zum 1. Vorsitzenden wurde Leonhard Bartel gewählt, der übrige Vorstand bestand aus: Schmalfeld, 2. Vorsitzender, Paul Löwenstein, Schriftführer, und G. Jacoby, 1. Kassierer.
In der Gründungsversammlung waren ferner anwesend:
M. Jacoby, Bartsch, Dienstag, Kaiser, Krause, Miecker, Schaeffer, Wolff, Wormstädt.
Die Kamaraden begannen sofort mit intensiver Arbeit, und bereits drei Tage später, am 15. März, fanden sie sich wiederum, und zwar im Lokal von Döring in der Alexandrinenstraße zusammen.
Die Tagesordung bestand nur aus zwei Punkten:

  1. Festlegung der Statuten,
  2. Besprechung über eine Fusion mit dem Ruderverein "Teutonia".

Der zweite Punkt wurde vertagt, weil keine Einigung erzielt wurde. Den Statuten gemäß bezweckte der BRC "Welle" in erster Linie die Pflege des Tourenruderns und der Geselligkeit. Als erstes Heim des Clubs wurde ein sehr primitiver kleiner Bootsschuppen bei Heuer am Schwanenwerder für 200,- RM jährlich gemietet.
Das Wichtigste, was die junge Gemeinschaft von den bereits bestehenden Tourenrudervereinen unterschied, war ihr Bestreben, nicht eine Vereinigung von Bootsbesitzern zu sein, sondern den Mitgliedern einen "Fuhrpark" zur Verfügung zu stellen. Hierüber berichtete auch der "Wassersport" Nr. 16, Jahrgang 1894.
Zur Erreichung dieses Zieles wurden beim Bootsbauer Winser drei Boote bestellt: ein Doppelvierer "Welle", ein Riemenvierer "Spree" und ein Doppelzweier "Möwe".
Dieser Auftrag war mit einer sehr großen finanziellen Verpflichtung verbunden, welche den Kameraden sehr zu schaffen machte. Alle hielten jedoch treu zur Flagge, und am Schluß des Jahres 1894 hatte der Club 26 Mitglieder.

1895

Zu Beginn des Jahres setzte ein starker Mitgliederzustrom ein, und man entschloß sich deshalb zu einer Vergrößerung, die in kurzer Zeit durchgeführt wurde. Auch ein zweiter Riemenvierer "Wanderer" wurde angeschafft. Ende des zweiten Jahres seines Bestehens zählte der Club 33 aktive und 16 passive Mitglieder.

1896

Trotz finanzieller Schwierigkeiten wurde am weiteren Aufbau gearbeitet. Der erste Bootsdiener Türk, der lange Jahre zur steten Zufriedenheit sein Amt ausübte, wurde engagiert.
Es wurden zwei Preise geschaffen:

  1. Der Kilometerpreis für die meisten geruderten Kilometer. Dieser Preis bestand unverändert bis zum Jahre 1938, d.h. bis kurze Zeit vor der erzwungenen Auflösung unseres Clubs, auf die wir später zu sprechen kommen.
  2. Der Teupitz-Rekordpreis für die kürzeste Zeit Bootshaus-Teupitz-Bootshaus an einem Tage.

Die etwa 131 km lange Strecke wurde im ersten Jahr von den Kameraden Bartel, Leib und Schlesinger in der hervorragenden Zeit von 15 Stunden und 35 Minuten zurückgelegt. Auch dieser Preis bestand bis 1938. Allerdings wurde die Strecke nach unserer Übersiedlung nach Grünau auf genau 100 km reduziert.

Kurz vor Ende 1896 wurde das Bootshaus des Verein für Tourenruderer gekauft, da in dem vorhandenen Schuppen eine Vergrößerung unmöglich war. Die notwendigen 5.000,-- RM wurden durch Anteilscheine aufgebracht, an deren Übernahme sich sämtliche Kameraden beteiligten. In diesem Bootshaus in Stralau war der spätere BRC "Welle-Poseidon" bis zum Jahre 1925 untergebracht.
Der Aufforderung, zur Feier des 100. Geburtstages Kaiser Wilhelms I: ein Denkmal, das aus Findlingen zusammengesetzt wurde, zu errichten, folgten auch wir. Die Grundsteinlegung an der 1000-m-Ecke in Grünau fand am 12. Juni 1896 statt, und die goldene Inschrift des BRC "Welle" im Sockel des "Sportdenkmals" ist allen Stürmen der Zeit zum Trotz auch heute noch sichtbar.

1897

Weitere planmäßige Entwicklung des Sportbetriebes ist zu verzeichnen.

1898

11. Juni Enthüllung des Sportdenkmals unter Teilnahme von vier Kameraden. Eine Besserung der finanziellen Verhältnisse durch erheblichen Mitgliederzuwachs ist zu verzeichnen.

1899

Ein weiterer Riemenvierer "Blitz" wurde angeschafft. Es wurde ein Dauerrennen Bootshaus-Köpenick-Bootshaus (21 km) für Einer ausgeschrieben, das von unserem im Jahr 1932 verstorbenen Ehrenmitglied Max Gross in 2 Stunden 15 Minuten 53 Sekunden gewonnen wurde. Die erste Clubzeitung "Die Welle", herausgegeben von dem damaligen ersten Vorsitzenden J. Schlesinger, mit Zeichnungen von Eugen Leib, erschien am 1. September. Im Herbst erfolgte der Beitritt in die im März gegründete "Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine Berlins und Umgebung".
Ende des Jahres hatte der BRC "Welle" 31 aktive und 36 passive Mitglieder. Die Kassenlage war günstig.

1900

Die Eintragung in das Vereinsregister wurde beschlossen unter dem Namen

"Berliner Ruderclub Welle e.V."

Kamerad Paul Löwenstein wurde erstes Ehrenmitglied des Clubs. Ende des Jahres entstanden zwischen zwei Mitgliedergruppen Differenzen.

1901

Aus den Kontakten mit anderen Vereinen war besonders die Beziehung zu dem Ruderclub "Poseidon" hervorzuheben.

1902

Die Aufbauarbeit wurde durch das Ausscheiden einer Mitgliedergruppe empfindlich gestört.

1903

Der Ruderbetrieb erfuhr eine erhebliche Einschränkung, und die Zahl der Mitglieder sank auf 39.

1904

Unter Führung des Kameraden Moritz Meyer wurden 1905 Beziehungen mit den Mitgliedern des BRC "Poseidon" eingeleitet.

1906

Der Berliner Ruder-Club "Poseidon" e.V. bestand seit dem Jahre 1896. Seine gesellschaftliche Zusammensetzung und seine sportliche Entwicklung entsprachen denen des BRC "Welle". Siegfried Bernhardt war mehrere Jahre 1. Vorsitzender des BRC "Poseidon":
Das Bootshaus des BRC "Poseidon" befand sich in Stralau am Schwanenberg, gegenüber der Abtei. Während im BRC "Welle" die Rudertätigkeit zurückgegangen war, die finanziellen Verhältnisse jedoch sehr günstig waren, war es beim BRC "Poseidon" umgekehrt. Diese Gründe waren ausschlaggebend für die Verschmelzung beider Vereine, die durch die beiderseitige Generalversammlungen beschlossen und am 30. November 1906 unter dem Namen

Berliner Ruder-Club "Welle-Poseidon" e.V.

durchgeführt wurde.
Am 1. Dezember fand der Fusionskommers statt, und am 11. Dezember wurde das Bootsmaterial des BRC "Poseidon" ins "Welle"-Bootshaus gebracht und die neue blauweißrote Flagge gehißt, die bis heute unverändert das Wahrzeichen unseres Clubs ist. Der Club bestand nunmehr aus: 1 Ehrenmitglied, 57 aktiven und 10 passiven Mitgliedern.
Der erste Vorstand setzte sich zusammen aus:
 Eugen Leib, 1. Vorsitzender,
 Siegfried Bernhardt, 2. Vorsitzender,
 Richard Gattel, 1. Kassierer,
 Georg Ems, 1. Schriftführer.
Das Bootsmaterial bestand aus zwei Doppelvierern, fünf Riemenvierern und drei Doppelzweiern.

1907

Man kann sagen, daß nach dieser Fusion der eigentliche Aufschwung unseres Clubs begann. Schneller als erwartet trat eine völlige Verschmelzung der Mitgliedschaft ein, und es begann die Pflege der Kameradschaft, die bis heute über alle Zeiten hinweg zur Tradition des "Welle-Poseidon" geworden ist. Der Ruderbetrieb steigerte sich ständig, es wurden ausgedehnte Wanderfahrten unternommen, und fast immer war das gesamte Bootsmaterial auf dem Wasser. Unsere Flagge wehte auf den mecklenburgischen Seen, im Spreewald, auf dem Scharmützelsee und überall in der Umgebung Berlins. Die Enge der Gesellschafts- und Garderobenräume zwang zur Beschränkung bei der Aufnahme neuer Mitglieder, so daß etwas geschehen mußte.


Dieser Textausschnitt wie auch das Clublied wurde der Festschrift zum 75jährigem Bestehen des Vereins aus dem Jahre 1969 entnommen. Die dort abgedruckte Geschichte des Berliner Ruder-Clubs "Welle-Poseidon" 1894-1969 baut wiederum auf einer Chronik auf, die im Jahre 1959 aus Anlaß des 65jährigem Bestehens vom Verein herausgegeben wurde.