IN MEMORIAM

Gary Matzdorff

Ehrenmitglied des BRC „Welle-Poseidon“ e.V.

Am 8.11.2013 erhielten wir von Nancy Matzdorff die traurige Nachricht:
Gary ist in ihren Armen friedlich eingeschlafen.


Eigentlich kann man es noch nicht richtig fassen, dass Gary nicht mehr unter uns weilt. Seine Vitalität war bemerkenswert. Als wir ihn am letzten Abend seines Berlin-Besuches im September 2013 trafen, wussten wir, dass es ein Abschied für immer sein würde. Nancy und Gary flogen am nächsten Tag nach Los Angeles zurück. Es war sein inniger Wunsch, sein Berlin, seinen Ruder Club „ Welle-Poseidon“ und seine Freunde noch einmal zu besuchen.

Gary wurde am 10. Juli 1921 in Berlin geboren. Seine Eltern traten 1934 in den Ruderclub „Welle-Poseidon“ in Grünau ein und Gary mit ihnen. Mit 13 Jahren durfte er rudern und das machte er mit viel Freude und Begeisterung. „Welle-Poseidon“ war eine Oase für viele Juden, die durch die Nazis immer mehr in ihren Rechten und in ihrer Freiheit eingeschränkt wurden. Unter den jugendlichen Ruderern entstanden Freundschaften fürs Leben. Als der Club auf die Bullenbruch-Insel umsiedeln musste, war Gary mit allen anderen auch dabei.

Im März 1939 konnte er mit seinen Eltern Deutschland noch verlassen. Emigration war für Juden zu der Zeit nur noch nach Shanghai möglich. Shanghai war die Rettung, unter größten Entbehrungen haben sie dort überlebt. Dort traf er auch einige Freunde aus dem Ruderclub, u.a. Hans Liffman, mit dem er bis zu Hans‘ Tod in 2010 eng befreundet war. Nach dem Kriegsende, Gary war inzwischen mit Marianne verheiratet, konnte die Familie nach Amerika auswandern. „Als unser Schiff die Golden Gate Bridge passierte, fühlten wir uns endlich frei“ erzählte er später.

Gary hat bewiesen, wie man trotz aller Härten des Lebens zuversichtlich und lebensfroh sein kann.

In Amerika haben sie sich durch viel Fleiß langsam hochgearbeitet und bekamen vier Kinder, Beverly, Steven, Jeffrey und Shirly. Wirtschaftlich gab es ein Auf und Ab. Als sie es sich leisten konnten, besuchten sie Berlin. Gary feierte seinen 50. Geburtstag mit der ganzen Familie einschließlich seiner Mutter in unserem Ruderclub. Es war ein schönes Fest. Viele neue Mitglieder lernten ihn kennen. Hier begann auch unsere Freundschaft. Es folgten viele Jahre, in denen er – erst mit seiner Frau Marianne und später mit seiner Frau Nancy immer wieder nach Berlin kam.

Der 90. Clubgeburtstag im Jahre 1984, an dem wir n o c h viele auswärtige Clubmitglieder aus aller Welt – zum Teil mit ihren Frauen - kennen lernten, war ein Meilenstein der Begegnungen und der Beginn vieler Freundschaften.

Am 9. November 1989 rief Gary aus Los Angeles an: „Die bringen bei uns eine Meldung, dass die Grenzen geöffnet werden sollen, wisst Ihr schon etwas davon?“ Im Frühjahr 1990 war Gary dabei, als die Grenzen auf dem Wasser geöffnet wurden. Man konnte ungehindert nach Potsdam rudern. Gary war begeistert, dass er diesen Tag mit uns erleben konnte.

Der 100. Club-Geburtstag 1994 wurde besonders festlich an mehreren Tagen gefeiert. Gary hielt die Laudatio beim offiziellen Festakt im Ruderclub. Der Ball fand im Opernpalais Unter den Linden statt. Es gab viele Treffen kultureller Art und wir besuchten auch das alte Rudergelände in Grünau.

Gary war am Zusammenwachsen Berlins interessiert. Er war aufgeschlossen anderen Menschen gegenüber, besonders den Jugendlichen. Viele Club-Freunde besuchten ihn in Kalifornien. Es folgten gemeinsame Reisen in Amerika und in Europa. Seine Reisen führten ihn mehrmals nach Israel und im letzten Frühjahr noch einmal nach Shanghai. Gary konnte die Begeisterung für seinen Ruderclub und die dortigen Freunde auch seiner Frau Nancy vermitteln. Sie hatten im Jahr 2004 geheiratet und verbrachten oft ihren Hochzeitstag und die Jüdischen Feiertage in Berlin.

Wir werden unseren Freund Gary in guter Erinnerung behalten und sind dankbar, dass wir so schöne Stunden gemeinsam verbringen konnten.

Wir möchten Dir liebe Nancy und der Familie Matzdorff unsere aufrichtige Anteilahme aussprechen und sagen, unsere Freundschaft besteht weiterhin.

Christel Schmidt und Monika Domann für die Clubfamilie aus Berlin



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