Nord-Karelien, wo ist denn das?

In Finnland

Am 21. Juli machten sich 16 Ruderinnen und Ruderer aus 9 verschiedenen deutschen Vereinen auf nach Nord-Karelien.
Wolfgang R. hatte diese Reise mit Hilfe der guten Feen Sirpa und Jana aus Joensuu organisiert.
Treffpunkt war das Eurohostel in Helsinki. Für die früher Eingetroffenen gab es noch eine geführte Stadtrundfahrt in einem Bus. Das Bemerkenswerteste waren für mich die Domkirche, eine innen sehr schlichte Kirche mit 4 in der Spitze zusammenlaufenden Bögen und die Tatsache, dass die Finnen immer noch stolz ihr Olympiastadion zeigen. Spätabends trafen die Ruderfreunde vom Hamburger Alster Ruderklub Hanseat und der Lübecker Rudergesellschaft ein.



Am nächsten Tag ging es per Flug weiter nach Joensuu. Von dort fuhren wir mit dem für uns bereitgestellten Kleinbus noch ca. 100 km weiter nach Lieksa.
Am Montag übernahmen wir unser Kirchboot und starteten gleich am Vormittag eine Probefahrt zur Eingewöhnung. Erst ging es ein Stück flussaufwärts, dann hinaus auf den Pielinen-See. Alle die noch nicht im Kirchboot gerudert waren, gewöhnten sich schnell daran. Da wir 16 Ruderer waren, gab es ein KS (Kielschwein, auch FF Faule Frau) . Nachmittags umrundeten wir schon die erste Insel Kinahmonsalmi. Abends gab es im Hotel einen Tanzabend und wir konnten das Tanzbein schwingen. Den Finnen schauten wir bei der Polka im Kreis zu.

Unser Kirchboot war mit Rollsitzen für 14 Ruderer versehen. Kirchbote haben nicht drehbare Riemen. Man sitzt zu zweit nebeneinander. Gesteuert wird das Boot mit einer Finne am Ruder. Der Steuermann sitzt leicht erhöht. Mit den Kirchbooten sind die Finnen von ihren Ansiedlungen gemeinsam zur nächsten Kirche gerudert, weil früher viele Ansiedlungen nicht auf Straße erreichbar waren.

Am Dienstag startete die Karelia-Soutu (Wanderfahrt-Karelien). Sie beginnt traditionell mit einem Gottesdienst in der sehr schönen, modernen Kirche von Lieksa. Am 1. Tag nahmen 12 Boote teil, darunter 2 Deutsche. Unser Ruderteam haben wir „Poseidon“ genannt und so wurden wir auch immer von dem finnischen Zeremonienmeister bei der Abfahrt mit Namensnennung der Bootsbesatzung verabschiedet und bei der Ankunft willkommen geheißen. Da einige finnische Boote unterbesetzt ruderten, verliehen wir unser KS (mit wechselnden Personen). Die erste Kaffeepause war in Kinahmonsalmi. Das hieß mit den Booten auf den Strand fahren, sie aufs Land ziehen und über den Bug aussteigen. Am ersten Tag war das noch ein bisschen ungewohnt, aber wir bekamen schnell Übung. Es gab Kaffee, Tee und Brötchen. Ganz positiv fand ich die kleinen graugrünen Häuschen, die einem den Gang in den Wald ersparten. Ziel am Abend war die Herberge Vuonislahti, wo uns Sauna, See, Theater und ein leckeres Essen erwarteten. Schnell sah man die Aktiven mit Handtuch und Badezeug in Richtung See und Sauna verschwinden. Weil uns der Theaterbesuch mit 18 Euro zu teuer war, konnten wir das gesparte Eintrittsgeld in Bier umsetzen. So saßen wir noch lange auf der Terrasse.

Am Mittwoch nach einem Frühstück ging die Ruderfahrt wieder mit Begleitbooten – Führungsboot, SAR / Seenotrettungsboot, Lumpensammlerboot – voran. Zur Mittagspause legten wir an einem alten Bauernhof auf der Insel Kelvänsaari an. Der Besitzer erzählte uns auf deutsch etwas über die Geschichte des Hofes und die Insel allgemein. Da die Teilnehmer in den finnischen Booten teilweise täglich wechselten gab es wieder eine Vorstellung, wobei wir immer besonders freundlich willkommen geheißen wurden. Nachmittags im Boot übten wir Lieder, die wir am nächsten Tag vortragen wollten. Abends beim Tanz am Strand konnten wir die Finnen beim Tango Tanzen bewundern. Leider fing es an zu regnen und wir zogen uns in den Aufenthaltsraum zurück. Zwei unserer fleißigen Sängerinnen wurden aus dem Bett getutet und wir hatten genug Gelegenheit zu üben. Ein Plan für unseren Auftritt am nächsten Abend wurde zusammen gestellt.

Donnerstagmorgen schien wieder die Sonne. Wir starteten fröhlich in den neuen Rudertag. Bei unserer Kaffeepause gab es Blaubeeren, frisch gepflückt im Wald. Zu Mittag waren wir in Eno in einem Seniorenheim zu Gast. Wir wurden dort sehr nett empfangen. Zurück auf dem Wasser, gab es immer mal wieder eine kleine Wettfahrt. Die Finnen fahren in ihren Kirchbooten einen ganz anderen Schlag. Er ist schnell und kurz. Sie wunderten sich öfter, wenn wir mit unserem langen Schlag mal kräftig durchzogen und an ihnen vorbei ruderten. Am Nachmittag fuhren wir durch die Schleuse in Kaltimo. Wir sammelten uns alle in der Schleuse. Auf einem der Begleitboote fuhr unserer Unterhalter mit Gitarre mit. Nachdem die Finnen gesungen hatten, stimmten wir einfach mal zur Freude der Finnen „Trink Brüderlein trink“ an. Die Schleusenzeit verging im Nu. In Jakokoski angekommen gingen wir in die Zeltsauna für Damen. Leider war sie ein wenig kalt, so beließen wir es bei einem Saunagang. Abends gab es unseren „Gesangsauftritt“ und Wolfgang erzählte ein wenig über die Zusammensetzung unserer Rudergruppe und über unseren Ruderklub „BRC Welle-Poseidon“. Er überreichte bei dieser Gelegenheit eine Freundschaftsflagge von Welle-Po an den finnischen Wassersportklub „Future-Club“ in Joensuu. Danach konnten wir die Finnen noch mal beim finnischen Tango bewundern. Um 22 Uhr ging es mit dem Bus nach Joensuu in unser Hotel für die nächsten 2 Nächte.

Am frühen Morgen, bei der Ausfahrt vom Schleusenkanal, ging leider die Ruderfinne zu Bruch und wir mussten um Hilfe tuten (Wolfgang gab Zeichen mit dem Signalhorn). Wir bekamen nach einiger Zeit ein anderes Ruder, das aber noch passend für das Boot gemacht wurde. Wir mussten somit als letzte hinter den Booten her rudern, aber das Begleitboot blieb in unserer Nähe. Alle Boote warteten in der Mittagspause auf uns.
Am Nachmittag konnten interessierte Boote auf dem letzten Streckenabschnitt der Karelia-Soutu an einer Langstreckenregatta über 14 km teilnehmen. Unser Boot beteiligte sich nicht daran. Deshalb ruderten auf dieser Regatta zwei unserer besten Ruderer in dem finnische Boot mit der Nummer 6 mit. Nachmittags hatten wir noch 2 Schleusen, die wir in guter Stimmung mit viel Gesang passierten. Ziel und Ende der Karelia-Soutu waren in Joensuu, am Strand der Stadtinsel Ilosaari, wo alle Boote anlegten und die Ehrung für die Teilnahme entgegen nahmen. Einige der Teilnehmer waren schon zum 25. Mal dabei. Jeder bekam eine Urkunde und eine Medaille. Nach einem Essen legten wir wieder ab und fuhren ca. 1,5 km flussabwärts zum Future-Club, wo wir das Boot für die Nacht am Steg festmachten. Von dort erreichten wir in kurzer Zeit zu Fuß unser Hotel „Elli“.

Nach der Karelia-Soutu machten wir uns am Samstag allein auf unsere verlängerte 2 Tage-Rudertour nach Liperi. Vom Steg des Future Club in Joensuu ruderten wir flussabwärts auf die „Pyhäselkä“, zu deutsch „Heilige Förde“. Wir hatten schönes Wetter und konnten gleich 12 km quer über den See rudern. Das sparte uns gegenüber der windgeschützten Route ca. 10 km. Nach einer netten Mittagspause in Saaristonranta ging es weiter. Man vermutet in der Einsamkeit eigentlich keinen Kiosk und freut sich dann, dass er wirklich kommt und auch Bier und Pizza hat. Nachmittag gab es viel Wind und wir wurden ein bisschen nass. Da es warm war , trockneten wir auch wieder. Unsere elektrische Pumpe kam zum Einsatz. Für die am Morgen gesparten Kilometer machten wir abends noch ein bisschen „Buchten Hopping“, um die versäumten km wieder aufzuholen. Der Campingplatz Koivoniemi, an dem wir anlegten, hat eine wunderschöne Lage. Gleich nach Ankunft und Unterkunftsbelegung ging es natürlich in die Sauna und zum Baden in den See. Zu Zweit hatten wir jeweils eine kleine Hütte, manche waren ohne Licht. Da es um die Zeit in Finnland lange hell ist, war das kein Problem.

Am Sonntag war unser letzter Rudertag mit dem Ziel Liperi. Nach einem gemütlichen Rudermorgen mit viel Unterhaltung konnten wir mittags leider nicht anlegen, da der vorgesehene Strand voller Boote und der Wasserstand sehr hoch war. Wir machten im Boot Pause und kamen früh in Liperi an. Nachdem das Boot abgeholt war, konnten wir bei leichtem Regen noch einen Imbiss in der nahegelegenen Marina einnehmen. Mit dem Bus fuhren wir zurück nach Joensuu zum Hotel „Elli“ zur letzten Übernachtung.

Montag ging es für alle auf verschiedenen Wegen – Flugzeug, Bahn, PKW – wieder nach Hause.
Für mich war eine sehr schöne Ruderreise zu Ende.

Babsi



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