Von Mainz über die Mosel nach Köln

Rudern auf dem Rhein – eine Abenteuer der besonderen Art!

"Das brauch ich kein zweites Mal" war Babsis Kommentar nach einer Tagesetappe auf dem Rhein. Meine Neugierde auf den Fluss war geweckt und ebenso meine Lust auf Abenteuer. Endlich - viele Jahre später – wurde ich von Frank und Clarissa gefragt, ob ich auf den Rhein mitkommen würde. Ich war sofort Feuer und Flamme. Es sollte von Mainz nach Köln mit einem Abstecher auf die Mosel gehen. Mit von der Partie waren noch Antje Kloss, Dirk und Katharina aus Mainz.
Auf Ruderwanderfahrt
Auf Ruderwanderfahrt


Von allen Seiten kamen Warnungen: Zu viele Schwarzbleche, hohe Wellen von vorn und hinten, spezielle Verkehrsregeln für den Rhein usw. Mein Respekt wuchs und ich wollte wissen, was da dran war. Ich wälzte die Gewässerkataloge von Rhein und Mosel, die Liste der Rheinuntiefen, kopierte Karten aus dem Internet, erstellte ein Fahrtenbuch und kopierte Sichtzeichen und Schallsignale sowie die speziellen Verkehrsregeln für den Rhein. Danach war mir wohler. Ich konnte jetzt besser einschätzen, was auf mich zukam.

Nach einer ICE Fahrt ohne Bordküche (das Personal war der Bahn bei den heftigen Unwettern irgendwie abhandengekommen) sowie einer schlaflosen Nacht im Doppelzimmer (mein altbewährtes Ohropax versagte kläglich) ging es in Mainz endlich los. Kurz nach unserem Start frischte der Wind immer stärker auf, die Wellen wurden immer höher und die vorbeifahrenden Schwarzbleche verschärften die Situation zusätzlich. Obwohl der Rhein an dieser Stelle eine Strömungsgeschwindigkeit von 8 km/h hat, hatten wir das Gefühl, dass wir nicht vorwärtskommen. Erste Zweifel beschlichen mich, ob wir je in Köln ankommen. Allen Widrigkeiten zum Trotz erreichten wir gegen Mittag froh und ziemlich abgekämpft Bingen.

In Bingen übernahm Frank das Steuer, denn jetzt kamen die schönsten, aber auch schwierigsten Stellen unserer Wanderruderfahrt. Wir passierten den Binger Mäuseturm, viele Burgen, bekannte Orte wie Lorch oder Bacharach, die Pfalz bei Kaub sowie die Wahrschaustellen mit ihren diverse Untiefen, Felsen und Engpässen. Bei der Loreley wurden die Kommandos von Frank etwas lauter und hektischer. Wir mussten noch schnell vor einem Schwarzblech zur Backbordseite wechseln, was wir auch bravurös gemeistert haben – glaubten wir.

Nach der Loreley wurden wir in ruhigeren Gewässern von der Polizei bereits empfangen und in den Schutzhafen von St. Goar geleitet.

Schlimmste Befürchtungen gingen uns durch den Kopf. Dort erfuhren wir, dass sich der Käpt’n eines Schwarzbleches über uns beschwert hatte: „Er hätte wegen uns die Maschine stoppen müssen“. Frank schilderte die Situation, wie es dazu gekommen war. Man glaubte ihm. Die junge Polizistin und ihr Kollege belehrten uns noch ganz freundlich und sahen von einer Verwarnung ab. Ganz entspannt machten wir mit den netten Polizisten noch ein Erinnerungsfoto.

Im Haven von St.Goar
Im Schutzhafen von St. Goar

Durch diese Aktion hat uns Clarissa, die Landdienst hatte, aus den Augen verloren. Sie war ganz aufgelöst und befürchtete schon das Schlimmste. Als sie uns endlich wieder gefunden hat, beschwerte sie sich – zu Recht- lautstark über das Hafenbecken hinweg, warum wir nicht angerufen hätten. Betretenes Schweigen! In die Stille hinein bemerkte die junge Polizistin trocken: „Soll ich die junge Frau wegen Lärmbelästigung verwarnen?“ Gott sei Dank hat Clarissa das nicht gehört.

Wir übernachteten in Bopprad und am nächsten Tag ging es weniger aufregend über Lahnstein und das deutsche Eck bei Koblenz weiter zur Mosel. Endliche ruhiges Wasser, kaum Strömung und anfänglich konnten wir das Rudern auf der Mosel so richtig genießen. Dummerweise hatten wir die Unterlagen für die Mosel im Auto vergessen. Wir konnten nur schätzen, wie weit es zur nächsten Schleuse ist. Wir haben uns fürchterlich verschätzt. Der Weg wurde lang und länger und wollte einfach nicht enden.

Endlich da, wären wir der extrem schmalen und ca. 8 m hohen Schleuse beinahe zum Opfer gefallen, als sich der Druck des einfließenden Wassers plötzlich deutlich erhöhte. Wir konnten das Boot nicht mehr halten, wurden quergestellt und hatten Glück, dass wir nicht gekentert sind. Abgekämpft, aber stolz erreichten wir unsere Pension „Haus am Walde“ in Brodenbach.

Nach einem super guten Frühstück ging‘s am nächsten Tag zurück nach Koblenz und weiter über das Andernacher Loch zu unserem nächsten Übernachtungsort in Bad Breisig. Nach anfänglichen Bedenken haben wir unser Boot, die AKK, richtig schätzen und lieben gelernt. Mit ihren hohen Bordwänden nahm das C-Boot bereitwillig jede noch so hohe Welle. Wir fühlten uns sehr sicher mit ihr.

Die letzte Etappe führte uns vorbei an den Resten der aus dem 2. Weltkrieg bekannten Brücke von Remagen, über Bad Honnef, Schloss „Drachenburg“, wo Siegfried den Drachen tötete, weiter nach Bonn. Auf dem Weg dorthin durften wir noch lernen, dass große Blaue Tafeln mit einem Blinkzeichen* in der Mitte, die seitlich bei einem Schwarzblech ausgestellt sind, zu beachten sind, denn sonst kann es zwischen Schwarzblech und Ufer ziemlich eng und unruhig werden.

Das Anlegemanöver in Bonn hatte es auch in sich. Durch entgegenkommende Schwarzbleche konnten wir die Wende zum Anlegen erst hinter dem Steg machen. Laute Kommandos von Frank ließen Neugierige auf der Promenade stehen bleiben und glotzen. Nach einer mühevollen Wende mussten wir bei starker Strömung noch ca. 30 m zum Steg zurückrudern. Als die Glotzer merkten, dass wir uns langsam, aber sicher auf den Steg zu bewegten, haben sie das Interesse verloren. Etwas außer Atem legten wir an. Das Mittagessen im Naturkunde Museum hat uns vorzüglich geschmeckt.

In Köln angekommen verbrachten wir noch – wie immer - einen netten Abend zusammen. Der Zusammenhalt und die Stimmung in der Gruppe waren einfach super. Die Wanderfahrt war für uns alle ein tolles Unterfangen.

Franz Hummel

*Das Schwarzblech ist an der Seite mit der blauen Tafel zu passieren.



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